Methoden und Bildmaterial

Visualisierende Methoden der Rostocker Langzeitstudie (Elementare Beschreibung; ausführliche Darstellung einschließlich wissenschaftlicher Begründung und Gesprächsleitfäden vgl. Szagun, Anna-Katharina, Dem Sprachlosen Sprache verleihen, Jena 2006)

(1) Materialcollagen: (ausschließlich in Einzelgesprächen ausgewertet)

Ein Materialbuffet mit Natur- und Altmaterialien wird vorbereitet. Die Kinder werden eingeladen, aus frei gewähltem Material eine Metapher für Gott (alternativ: „Mein Leben und was es hält, nährt und trägt“) zu gestalten. Die Kinder arbeiten schweigend und halten die Deutung ihrer Gestaltung geheim. Im Einzelgespräch werden die Gestaltungen entdeckt, ergänzende Aspekte der Gottesfrage (bzw. der Sicht auf das Nährende, Tragende und Haltende des Lebens) angesprochen. Über die Positionierung einer Knetefigur, die das Kind repräsentiert, drückt es seine Distanz zu Gott aus.

(2) Zeichnungen und Collagen:
(ausschließlich in Einzelgesprächen ausgewertet)

(2.1.) Lebensweltzeichnung: Die Kinder malen ihre Lebenswelt. Im Dialog dazu werden neben positiven und negativen Faktoren, Interessen, Hoffnungen und Wünsche auch Bewältigungsstrategien von Belastungssituationen angesprochen. Zum Schluss jedes Gesprächs wird erfragt, ob und gegebenenfalls wo und wie Gott in der Lebenswelt vorkommt (Wenn Gott wie ein Punkt im Leben wäre, wo käme er vor?) Das Kind kann ein oder mehrere blaue Punkte (die Größe drückt die Wichtigkeit aus) in sein Bild einkleben und erläutert, was der oder die Klebepunkt(e) bedeuten.

(2.2) Schnipselcollage 1: Die Kinder schreiben aktuell wichtige Faktoren auf Buntpapierschnipsel. Danach werden sie gebeten, die Schnipsel nach ihrer subjektiven Bedeutung um den ihre Person symbolisierenden roten Punkt in der Mittel eines DIN A4-Bogens zu gruppieren. Nachdem die Kinder ihre Schnipsel und deren Positionierung kommentiert haben (die Positionierung wird u. U. während des Gesprächs noch verändert), werden sie fest geklebt.

(2.3) Schnipselcollage 2: Löcher der Verzweiflung: Die Kinder symbolisieren mittels schwarzer Schnipsel die Verzweiflungssituationen ihres Lebens und kommentieren diese samt der erfahrenen bzw. vermissten Begleitung.

(2.4) Fotocollage: Die Kinder wählen aus einem breiteren Spektrum von Fotos diejenigen aus, die ihre aktuelle Lebenssituation und Gefühlslage am besten repräsentieren. Sie erzählen anhand der Fotos zu ihrer Lebenswelt.

(2.5) Lebensweg: Die Kinder malen ihren bisherigen und ihren zukünftigen Lebensweg mit zentralen positiven und negativen Aspekten und kommentieren ihre Zeichnungen.

(2.6) Familie in Tieren: Die Kinder malen ihre Familie als Tiere und begründen, warum die Tiere zu diesen Personen passen.  Sie machen damit ihr Erleben der Familiensituation sichtbar.

(2.7) Höhle des Herzens: Fantasiereisen führen in die Höhle des Herzens, wo das Kind auf eine „innere Stimme“ trifft und mit ihr in Kommunikation tritt. Das Kind malt, was es in dieser Kommunikation erlebt und erzählt im Einzelgespräch dazu.

(2.8) Baumschule: Eine Fantasiereise führt die Kinder in eine Baumschule, wo sie sich selbst als Baum stehen sehen, dazu Gärtner, die sie pflegen und beschneiden: Die Kinder malen sich als Baum und erzählen zu ihren Wurzeln, Gärtnern, schon vorhandenen oder noch zu entfaltenden Zweigen.

(2.9) Klappfigur: Das Kind erzählt, wie es seiner Meinung nach von anderen (in Schule, Familie usw.) gesehen wird und wie es mit seinem Verhalten darauf reagiert. Dies wird auf die Außenseiten einer Klappfigur aus Papier eingetragen. Mittels Buntpapierschnipseln drückt das Kind auf der Innenseite aus, wie es seiner Meinung nach wirklich ist (Eigenschaften, Fähigkeiten, Gefühle usw.). Nach Fertigstellung erzählt es, was die Farben und Formen ausdrücken sollen. Es wird abschließend gefragt, ob Gott es genau so oder anders sieht.

(3) Positionierungen: Mittels Knetfiguren, Püppchen und Symbolgegenständen wird sichtbar gemacht, was man denkt und fühlt
(ausschließlich in Einzelgesprächssituationen durchgeführt und ausgewertet)

(3.1) Einzelne Knetfigur: Das Kind drückt über die (leicht formbare) Knetfigur seine Haltung und Nähe/Distanz zu Gott (repräsentiert in der Materialcollage) aus und erzählt, warum dies stimmig ist.

(3.2) Mehrere Knetfiguren zu einem (variablen) Gottessymbol: Aus dem Angebot von sieben verschiedenen Gottessymbolen  wählt sich das Kind das ihm aktuell wichtigste Symbol aus und platziert es in die Mitte Eine Statue auf Plastikpodest steht für den VATER IM HIMMEL, eine Matrioschka für die MUTTER ERDE, ein Tonbecher mit Zweig, Feder, Nüssen als QUELLE DES LEBENS, eine Wärmekapsel/Batterie als ENERGIE, eine Klangschale als INNERE STIMME, ein Teelicht als ORIENTIERUNGSHILFE/WÄRME und ein rotes Netz mit Bronzeengel als KRAFT DER BEZIEHUNG/LIEBE.. Es erhält nun sechs verschiedenfarbige Knetfiguren, die unterschiedliche Lebenssituationen/Gefühlslagen repräsentieren: Es gibt eine ängstliche (gelb), eine wütende (rot), eine traurige (braun), eine schuldbeladene (grün), eine fröhliche (mehrfarbig) und eine nachdenkliche (blau) Figur. Es werden mehrere symbolischen Gegenständen für Gott zur Auswahl gestellt: Die Kinder positionieren nun ihre die eigene Person repräsentierenden 6 Knetfiguren um das gewählte Gottessymbol, wie es für sie in den entsprechenden Situationen stimmt und kommentieren dies.

(3.3) Positionierung von Projektionsfiguren zu sieben Gottessymbolen: Eine gleichgeschlechtliche Identifikationsfigur ist eingeführt, Martin bzw. Karin. Das Kind baut für die in einer Puppe repräsentierte Identifikationsfigur die o. g. Gottessymbole  in der Distanz auf, die seiner Meinung nach für Martin bzw. Karin stimmt. Gottessymbole, die das Kind ablehnt, darf es hinter einem schwarzen Tuch verschwinden lassen. – Die Kinder führen danach eine Positionierung für die Mutter und den Vater von Martin bzw. Karin durch. Die Positionierungen werden vom Kind kommentiert.

(3.4) Positionierung von sechs Knetfiguren zu sieben Gottessymbolen: Dem Kind werden alle 7 Gottessymbole angeboten: Symbole, die das Kind ablehnt für sich, stellt es hinter ein schwarzes Tuch. Zu den verbliebenen Symbolen positioniert es seine sechs verschiedenfarbigen Knetfiguren und kommentiert dies anschließend.

(3.5) Positionierung von nahen Bezugspersonen: Mittels eines breiten Angebotes an Holzpuppen und –kegeln macht das Kind sein soziales Bezugsfeld sichtbar und kommentiert dies.

(3.6) Positionierung zur Bibel: Das Kind kann zwischen drei verschieden großen Bibeln wählen. Das Kind wird eingeladen, dann mit Hilfe der Holzpuppen sich selbst und seine Bezugspersonen in der Haltung und Distanz zur gewählten Bibel zu positionieren, die aus seiner Sicht für diese Person derzeitig stimmig ist. Das Kind kommentiert anschließend seine Aufstellung.

 

Methoden im Überblick

→ Materialcollagen

→ Zeichnungen und Collagen

→ Positionierungen mittels Knetfiguren, Püppchen und Symbolgegenständen

Kurzbeschreibung

Stufentheorien zur religiösen Entwicklung basieren auf Untersuchungen in christlichen Kontexten. Zur Entwicklung der Gottesbilder von Kindern aus mehrheitlich konfessionslosem Kontext liegen hingegen kaum Untersuchungen vor, Langzeitstudien fehlen ganz. Die Frage, ob Übereinstimmungen von Gotteskonzepten bei Kindern entwicklungstheoretisch oder sozialisationstheoretisch zu erklären seien, ist offen. mehr