Kurzbeschreibung

Stufentheorien zur religiösen Entwicklung basieren auf Untersuchungen in christlichen Kontexten. Zur Entwicklung der Gottesbilder von Kindern aus mehrheitlich konfessionslosem Kontext liegen hingegen kaum Untersuchungen vor, Langzeitstudien fehlen ganz. Die Frage, ob Übereinstimmungen von Gotteskonzepten bei Kindern entwicklungstheoretisch oder sozialisationstheoretisch zu erklären seien, ist offen. Ziel der an heuristischer Methodologie orientierten, interdisziplinär (Religionspädagogik, Pastoralpsychologie, partiell Kunsttherapie) angelegten Rostocker Langzeitstudie ist zunächst, individuelle religiöse Bildungsverläufe – fokussiert auf Gottesverständnis und -beziehung – in Einzelfallstudien nachzuzeichnen und bezogen auf den sozialen, biografischen und unterrichtlichen Kontext wie unter Aufnahme der forschungsbedingten Impulse auszuwerten.

Annika, 2. Klasse, Lebenswelt

Von ca. 55 Kindern (Altersspektrum 6-17 Jahre mehrheitlich 8-12 Jahre) werden Entwicklungsverläufe über 4-7 Jahre erfasst, von weiteren 30 Kindern über 1-3 Jahre. Zu Einzelaspekten liegen ergänzende Querschnittsuntersuchungen vor. Mittels phänomenologisch nachgezeichneter Einzelfälle soll primär das breite Spektrum theologischen Denkens von Kindern sichtbar gemacht werden. Sekundär werden die Ergebnisse der Einzelfallstudien in Hinblick auf überindividuelle Zusammenhänge bestimmter Einflussfaktoren mithilfe von Clusteranalysen untersucht.

Die Studie dient weiter der didaktischen Wirkungsforschung: Methodisch kontrolliert wurden in einer Lerngruppe (21 Kinder) über 4 Jahre gezielte Impulse gesetzt zur Anbahnung eines sachgerechten Bibelkonzeptes wie eines transzendenzbewussten Gotteskonzeptes, welches den Aufbau einer Gottesbeziehung eher fördert als blockiert. Die empirisch nachgewiesenen "Einbruchsstellen" des Glaubens (Schöpfung, Wunder, Auferstehung, Theodizee, Gebet) wurden mit besonderer Sorgfalt thematisiert. Neben der Instruktion wurden der Gestaltung der Beziehungsebene wie einem breiten Spektrum von narrativen, ästhetisch-gestaltenden und szenischen Elementen, die in geschützten Formen das "Erproben" von spiritueller Praxis erlaubten, besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Die Analyse der individuellspezifischen Verarbeitungsweisen der unterschiedlichen didaktischen "Inputs" soll der Fortwicklung des Religionsunterrichts für eine mehrheitlich konfessionslose Adressatenschaft dienen, insbesondere bezüglich der Thematisierung der Gottesfrage.

Methodologie und vorläufige Ergebnisse der Langzeitstudie wurden 2004 im Rahmen von internationalen Tagungen (März 2004 Lund, April 2004 Bielefeld, September 2004 Berlin) einer breiteren Fachöffentlichkeit vorgestellt, ab 2005 erfolgten vielfältige Präsentationen vor Fachpublikum in der Lehrer- und Pfarreraus- und –fortbildung im In- und Ausland, dazu innerhalb von Tagungen kirchlicher Institutionen und der Evangelischen Akademikerschaft.

Präsentationen an Universitäten bzw. Theologischen Hochschulen erfolgten:

 

Ausführliche Beschreibung

Der nachfolgende Bericht informiert über eine Langzeitstudie, welche im Ausloten der Chancen, konfessionslose Kinder zu Dialogen über und mit Gott einzuladen, auch traditionsgeleitetes Reden von Gott auf den Prüfstand stellt: Wie kann Gott angemessen zur Sprache gebracht werden bei Kindern, insbesondere solchen aus konfessionslosen Kontexten? Was können Erwachsene gewinnen, wenn sie sich auf Kinder als theologische DenkerInnen einlassen? Welche nonverbalen Sprachen sind zu lernen, um mit Kindern theologisch kommunizieren zu können? mehr

Franziska, 6. Klasse, Lebenswelt

Methoden und Bildmaterial

Im Rahmen der Studie kamen verschiedene visualisierende Methoden zum Einsatz. Erfahren Sie mehr über Materialcollagen, Zeichnungen und Collagen, sowie die Positionierung mittels Knetfigueren, Püppchen und Symbolgegenständen.